Architektur im Kopf

von Matthias Walther

Prag

Dieses einmalige Kleinod europäischer Baukunst wird durch einige gezielte Eingriffe weiter entwickelt, freilich in Bezug und mit Rücksicht auf das gelungene alte Stadtbild. Am zentralen Altstädter Ring entsteht ein Ersatzbau für das neugotische Rathaus, womit der malerische Charakter dieses Ensembles mit dem Rathausturm und den Bestandbauten ausreichend berücksichtigt wird. Die gotische Fronleichnamskapelle am Neustädter Markt, ein einzigartiger gotischer Zentralbau wird an alter Stelle wieder errichtet, auf der ältesten Burg der Stadt, dem sagenumwobenen Visherad, entsteht als Ersatz für die alte St. Peter und Paulskirche ein mit einer großen Kuppel abgeschlossener Langhausbau mit Doppelturmfassade. Auch der bekannte Hradschin, die böhmische königliche Burg, zeitweise auch Sitz des römisch-deutschen Kaisers wird gewissen Änderungen unterworfen, zumindest als Alternative erscheint auch der Plan eines individuellen Turmausbaus des St. Veits Domes. Als altböhmischer Bau wird auch die als Gralsburg Karls IV. erdachte Burg Karlstein in neugotischer Art überarbeitet, Vorgaben des Dombaumeisters Friedrich Schmidt folgend.
An Stelle der St. Antonkirche soll ein neubarocker Kuppelbau treten. Nicht zuletzt wird als Krönung der ersten Tschechoslowakischen Republik auf den sogenannten Letna Höhen ein großer Parlamentsbau zum Abschluss gebracht, der in achsialer Blickrichtung der Revolutionsstraße erscheint. Dabei ist der Bau einerseits als kegelartigen Kuppelbau, angelehnt an Entwürfe Anton Engels, ein anderer zitiert einen expressiv konstruktivistisch entworfenen Bau nach eigentlichen Ideen Josef Gocars für ein neues Rathaus.