Architektur im Kopf

von Matthias Walther

Köln

Der weltberühmte Dom St. Peter in Köln stellt den größten und perfektesten Bau des Kathedraltypus, wie er auf der Ile de France entwickelt wurde, dar. Während bei seinem am engsten verwandten französischen Vorbild, der Kathedrale von Amiens auf stark ausgebildete Türme verzichtet wurde und diese eher einer Ausformung der Fassade gleich kommen, wollte man in Köln ganz offensichtlich von Anbeginn eine besonders monumentale Turmfassade, eine wahres gotisches Gebirge an Stein erstellen, dass jedoch lediglich durch den größten je aufgefundenen Planriss des Meisters belegt war. Erst dem romantischen und nationalistischen Geist des 19. Jahrhunderts war es vorbehalten, den im Spätmittelalter nicht mehr vollendeten Dom samt den zwei jeweils 157 Meter hohen Türmen tatsächlich zu vollenden. So weit die Geschichte.
Ein aberwitzig ironischer Text eines bekannten Münchner Kunsthistorikers geht allerdings von einer ganz anderen, noch weitaus gigantischeren Idee aus: Ein anscheinend hinter einem flämischen Barockaltar aufgetauchter, weiterer Planriss zeigt eindeutig eine Dreiturmfront für Köln, eine Reverenz zur Legende der Heiligen Drei Könige, deren Reliquien in Dom aufbewahrt werden. Wie der Bau hinter der Dreiturmfront mit ihrem 187 Meter hohen Mittelturm ausgesehen hätte, geht erst aus den Beschreibungen des Historikers näher hervor. So war dieser Anreiz diese absurde Fantasie zeichnerisch umzusetzen. Hinter der Turmfassade befinden sich, ganz der romanischen Tradition des Vorgängerbaus folgend, zwei mächtige, verbreiterte Querschiffe. Das Erste beginnt bereits nach drei Langhausjochen hinter den Türmen. Es folgen acht weitere Joche des fünfschiffigen Langhauses bis zum zweiten Querhaus, das mit einem riesigen Turm über der Vierung besetzt ist. Der Chorbereich entspricht wieder dem ausgeführten Bau.
Alternativ stelle ich noch eine Umplanung des heutigen, ebenso schon gigantischen Baus dar: Ein Plan zu einem Vierungsturm anstelle des Dachreiters. Eine Planung zeigt einen oktogonalen Vierungsturm ähnlich wie er im spanischen Burgos besteht und als Kuppel- oder Laternenturm ausgebildet ist. Er hätte eine Höhe von ungefähr 135 Metern. Ein weiterer Plan sieht einen sehr hohen Vierungsturm vor, der insgesamt auf eine Höhe von 185 Metern zu berechnen gewesen wäre. Massivbauten liegen beiden Turmplanungen  zu Grunde, der kleinere ist mit steinernem durchbrochenem Helm gestaltet, die hohe Variante ist allerdings mit einem sehr hohen hölzernen Turmhelm versehen.
In den anderen Zeichnungen erscheint noch eine Variante zum Rathausturm mit erhöhtem Turmaufbau, wie er tatsächlich erwogen wurde. Der Turm wird dabei um zwei leicht zurückspringende Vollgeschosse erhöht und mit einem schlanken Helm abgeschlossen. Neben dem Turm wird eine Freitreppe zum Alten Markt durchgebrochen.