Architektur im Kopf

von Matthias Walther

Amsterdam

Die historisch einzigartige Kaufmannsstadt, auch Mitglied der Hanse, erst später auch nominell königlich niederländische Hauptstadt, ist insbesondere geprägt von bürgerlicher Architektur, deren herausragender Höhepunkt zweifelsfrei das Rathaus im Renaissancestil wurde.
Zum Nachteil des Stadtbildes wirkende Veränderungen, wie etwa der zugeschüttete Damm zwischen Bahnhof und Rathausplatz werden in dieser Publikation freilich wieder rückgängig gemacht. Des Weiteren seihen einige Bauprojekte zur Veredelung des Stadtbildes und auch dessen Fernwirkung aufgenommen, die leider nicht verwirklicht wurden. Im Gegensatz zu Lübeck oder Hamburg ist Amsterdam eine eher an hohen Türmen arme Stadt, sollte aber vergleichbar mit Venedig durch einen hohen Turm an der Nieuwe Kerk, der Neuen Kirche am Rathaus, einen gigantischen Turmbau erhalten. Er wird hier in verschiedenen Varianten erörtert, um das sensible Gefüge zum Rathaus nicht zu schädigen, sondern dies zu bereichern.
Ein bedeutender Zentralbau calvinistischer Konfession sollte mit der monumentalen Postkerk im Bereich des heutigen Rembrandtplein errichtet werden. Diese große Kuppelkirche, die hier architektonisch nach Vorlagen des Architekten Nicolas Listingh von 1700 variiert wird, wäre zweifellos eine besondere Stadtkrone geworden, für die eine Ausweitung des heutigen Platzes notwendig würde. Im Projekt wird allerdings die Kuppel steiler und höher ausgeführt als bei Listingh, auch die Form des Laternenturm wird stark abgewandelt.
Als eigenwilliges Monumentalprojekt sei noch auf die Planung eines gänzlich neuen Rathauses an Stelle der heutigen postmodernen Oper verwiesen, dass das seit Napoleons Einmarsch schließlich umfunktionierte Amsterdamer Rathaus in seiner alten Funktion ersetzt hätte.
Dieses neue Rathaus ist durch zwei schlanke Campanile und einen als  Exedra geformten flachen Vorbau mit einer Arkade akzentuiert. Die Fernwirkung ist auch auf den Blick vom Amstelkanal ausgelegt. Formal tendiert das Gebäude zwischen Tradition und Moderne, zwischen Neurenaissance und Gotik sowie expressionistischen Elementen, die mit Einflüssen des Art Deko wechseln.
Außerdem erscheint auch die Planung zu der (in den 60iger Jahren abgebrochenen) neugotischen St. Willibrorduskirche am großen Amstelkanal interessant, die hier in zwei Variationen als gotische Idealkirche erscheint.
Es handelt sich um einen Bau mit sieben Türmen in rheinischen Formen des romanisch-gotischen Übergangsstils. Als Grundlage diente eine weitgehend übernommene Vorlage von Pieter Cyupers von 1870, einem Entwurf zu der so nicht ausgeführt wurde.
Der Dom ist eine Antwort auf die gotischen Musterkathedralen Frankreichs, wie sie insbesondere Viollet-le-Duc ersann. In einer Zeichnung wurden die von Cuypers gänzlich spitz geplanten Türme mit Kuppeln abgeschlossen, lediglich die in ihrer Höhe leicht reduzierten Türme, die die oktogonale Zentralkuppel begleiten, sind mit spitzen Helmen bekrönt.